Kaiserdom in Speyer: Kirche und Unesco-Welterbe

Das Ziel war ebenso klar wie ehrgeizig: In Speyer sollte der größte Kirchenbau der Welt entstehen. So bestimmte es der salische Kaiser Konrad II. im Jahr 1030, und nach drei Jahrzehnten Bauzeit war die Vision Wirklichkeit geworden. Die Weihe des Doms im Jahr 1061 erlebte der Monarch nicht mehr, doch sein steinernes Vermächtnis lässt die Nachwelt bis heute staunen. 1981 wurde der Kirchenbau als größte romanische Kirche überhaupt in die UNESCO-Welterbeliste aufgenommen.

Vier Kaiser, drei Kaiserinnen und Könige aus den Häusern Habsburg, Staufen und Nassau sind hier begraben. Damit ist der Dom zugleich die bedeutendste Grabstätte des Mittelalters auf deutschem Boden. Der frühesten Bauphase des Domes entstammt die Krypta, die wohl bereits 1043 geweiht wurde. Diese Unterkirche erstreckt sich unter dem gesamten Chorraum und das Querhaus. Vier Raumteile vereinigen sich zu einer weiten Hallenkrypta, die zu der größten ihrer Art gehört. Die Gewölbe sind mit sieben Metern für eine Unterkirche ungewöhnlich hoch. Charakteristisch sind die Gurtbögen aus abwechselnd rotem und gelbem Sandstein. Hier ist die göttliche Ordnung versinnbildlicht, die dem Leben des christlichen Menschen Struktur und Sinn gibt.

Von der Krypta aus erreicht man die schlichte Grablege der mittelalterlichen Kaiser und Könige. Sie wurde Anfang des 20. Jahrhunderts in ihrer heutigen Form gestaltet und überwölbt. Die Steinsarkophage, zum Teil noch im Original erhalten, bergen die sterblichen Überreste der vier salischen Kaiser, zweier Kaiserinnen und eines Kindes. Darüber hinaus ließen sich über 200 Jahre Herrscher weitere Dynastien hier bestatten. Der über der Vorhalle gelegene Kaisersaal beherbergt neun monumentale Fresken des Malers Johann Baptist Schraudolph, die ehemals an den Wänden des Querhauses zu sehen waren. Im Zuge der großen Domrestaurierung wurde sie Mitte des 20. Jahrhunderts von dort entfernt und zunächst verwahrt. 2012 kamen sie zurück in den Dom in den dafür eigens völlig neu gestalteten Kaisersaal.

Auf dem Südwestturm des Doms befindet sich in rund 60 Metern Höhe eine Aussichtsplattform. Der Aufstieg beginnt in der Vorhalle und führt über zunächst 90 Stufen in den Kaisersaal. Von dort aus geht es über 214 weitere Stufen hinauf zur Turmspitze. Auf einer Beton- und Stahltreppe gelangt man mit etwas Ausdauer nach oben Die Mühe lohnt sich auf jeden Fall: Von der Aussichtsplattform aus bietet sich ein einzigartiger Rundblick über die Stadt Speyer und die Rheinebene. An klaren Tagen mit guter Fernsicht überblickt man eine Entfernung von mehr als 50 Kilometern.